Tag der Zahngesundheit 2026 in Heilbronn

Wenn ein ganzer Platz in Bewegung kommt

Vier Tage lang stand der Heilbronner Kiliansplatz im Zeichen der Mundgesundheit. Unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!“ zeigte der Tag der Zahngesundheit, warum gutes Kauen für Ernährung, Genuss und Selbstständigkeit wichtig ist – und wie aus früher Prävention gesunde Gewohnheiten werden.

Der Kiliansplatz war voller Kinder. Zur Musik sangen und tanzten sie gemeinsam, ihre Bewegungen erfassten den ganzen Platz. Der Flashmob machte aus dem Auftakt der Podiumsdiskussion einen besonderen Moment: Das Publikum schaute zu, klatschte und ließ sich von der Begeisterung anstecken. Für das diesjährige Motto hätte es kaum ein lebendigeres Bild geben können.

Vom 23. bis 26. September hatte die Zahnärzteschaft Baden-Württemberg nach Heilbronn eingeladen. Kinder und Familien machten im Plaque-Neon-Tunnel Zahnbelag sichtbar, übten am Zahnputzbrunnen und betrachteten Bakterien unter dem Mikroskop. Kindertheater, Stelzenläufer, Ballonkunst, Fotobox und Maskottchen Zahni ergänzten das Programm. Wer wollte, konnte sich bei einem freiwilligen Zahn-Check auf dem Behandlungsstuhl die Zähne ansehen lassen. Die Aktionstage organisierte das IZZ, eine Einrichtung der Zahnärzteschaft Baden-Württemberg, mit Unterstützung der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit e. V. (LAGZ) und gemeinsam mit der Regionalen Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit Stadt- und Landkreis Heilbronn. Vor Ort hielt Regionalgeschäftsführerin Manuela Bendel-Schilp mit ihrem Team die Fäden in der Hand.

Nach dem Flashmob begann das Podiumsgespräch mit einer Frage, die zunächst ganz leicht klang: Apfel oder Apfelmus? Eine Entscheidung nach Geschmack, zumindest solange beides möglich ist. Wenn feste Lebensmittel zunehmend vom Speiseplan verschwinden, kann dahinter eine eingeschränkte Kaufähigkeit stehen.

Dr. Torsten Tomppert, Vorstandsvorsitzender der LAGZ, Präsident der Landeszahnärztekammer (LZK) und Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Baden-Württemberg, erläuterte das Zusammenspiel von Zähnen, Kaumuskulatur, Zunge und Speichel. Beim Kauen wird Nahrung zerkleinert und mit Speichel vermischt; so wird sie auf das Schlucken und die weitere Verdauung vorbereitet. Zugleich eröffnet eine gute Kaufunktion die Möglichkeit, Lebensmittel nach Appetit und Vorliebe auszuwählen. „Kaufähigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil von Gesundheit und Selbstständigkeit“, betonte Dr. Tomppert. Gesunde Zähne, ein gesunder Mund und funktionstüchtiger Zahnersatz trügen dazu bei, ausgewogen zu essen und Lebensqualität zu bewahren.

Dr. Tomppert nutzte das Gespräch zudem für einen Blick auf die Wurzeln der Präventionsarbeit. Er erinnerte an Otto Egerter, der als „Vater der Arbeitsgemeinschaften“ gilt und unter den Gästen auf dem Kiliansplatz war. Das Publikum würdigte ihn mit Applaus. 45 Jahre nach der Gründung der ersten regionalen Arbeitsgemeinschaft erinnerte dieser Moment daran, wie viel Menschen bewirken können, die Präventionsarbeit aufbauen und über Jahrzehnte weitertragen.

Welche Bedeutung der Erhalt der Kaufähigkeit im höheren Alter hat, erläuterte anschließend Dr. Bert Bauder, stellvertretender Präsident der LZK Baden-Württemberg. Wenn Menschen feste Speisen mieden, konnte dies ihre Lebensmittelauswahl und damit auch ihre Ernährung einschränken. Veränderungen beim Kauen oder Schlucken sollten Angehörige und Pflegekräfte daher aufmerksam machen. Dr. Bauder ging zudem auf wissenschaftliche Untersuchungen zu Zusammenhängen zwischen Kaufunktion und kognitiven Fähigkeiten ein. Er ordnete die Befunde vorsichtig ein: Aus einem beobachteten Zusammenhang ließ sich nicht ableiten, dass Kauen allein einer Demenz vorbeugte.

Von der zahnmedizinischen Perspektive führte das Gespräch zur Frage, wie Mundgesundheit im Alltag gefördert werden konnte. Schirmherr Dr. Michael Preusch, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, würdigte die Erfolge der Prävention und sprach sich dafür aus, Mundgesundheit stärker mit Ernährung und allgemeiner Gesundheitsbildung zu verbinden. Bürgermeisterin Agnes Christner, bei der Stadt Heilbronn unter anderem für Soziales und Gesundheit zuständig, betonte, dass Angebote für Kinder in den Alltag von Kindergärten, Kitas und Schulen passen müssten. Thomas Maier, Leiter des Dezernats 5 im Landratsamt Heilbronn, zu dessen Verantwortungsbereich auch das Gesundheitsamt gehört, hob die Zusammenarbeit der Akteure hervor, um Menschen im gesamten Landkreis zu erreichen. Gudula Achterberg, Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Heilbronn und sportpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, richtete den Blick auf unterschiedliche familiäre Voraussetzungen und darauf, Präventionsangebote besonders dort einzusetzen, wo Kinder zusätzliche Unterstützung benötigten.

Wie diese Zusammenarbeit vor Ort gelebt wurde, zeigte Dr. Andreas Volk, Zahnarzt aus Heilbronn und Vertreter der RAGZ Stadt- und Landkreis Heilbronn. Ihre Prophylaxe-Fachkräfte besuchten Kitas und Schulen und begegneten dort Kindern mit ganz unterschiedlichen Kenntnissen und Gewohnheiten. Ein Besuch konnte Neugier wecken; gesunde Routinen entstanden jedoch erst durch regelmäßiges Üben und die Einbindung der Eltern. Die Heilbronner Arbeitsgemeinschaft war Teil eines landesweiten Netzwerks: Unter dem Dach der LAGZ engagierten sich in Baden-Württemberg 37 regionale Arbeitsgemeinschaften, rund 170 Prophylaxe-Fachkräfte sowie mehr als 600 niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte als Patinnen und Paten für die Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Damit schloss sich der Kreis zum Flashmob: Auf dem Kiliansplatz hatten die Kinder gezeigt, wie ansteckend Begeisterung sein konnte. Die Aufgabe aller Beteiligten war es, aus dieser Begeisterung verlässliche Gesundheitsförderung zu machen. Dann blieb „Apfel oder Apfelmus?“ möglichst lange das, was es sein sollte: eine Frage des Geschmacks.

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