61. Bodenseetagung präsentiert sich konsequent teamorientiert

Abrasionsgebiss interdisziplinär betrachtet

Die 61. Bodenseetagung der Bezirkszahnärztekammer (BZK) Tübingen in Lindau präsentiert sich pünktlich zum 55-jährigen Jubiläum der Fortbildung für zahnmedizinische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer strategischen Neuausrichtung. Die renommierte Fachtagung setzt auf innovative Formate, die den fachlichen Austausch innerhalb des gesamten Praxisteams gezielt fördern. Die Vorträge führender Wissenschaftler am 18. und 19. September 2026 sind so konzipiert, dass ein direkter Transfer in den gemeinsamen Praxisalltag gewährleistet ist. Im Zentrum der Tagung stehen Diagnostik und Therapie des Abrasionsgebisses. Vorgestellt und diskutiert werden präventive und therapeutische Strategien, moderne Diagnoseverfahren sowie innovative Behandlungskonzepte.

„Zahnmedizin im Wandel kann nur gelingen, wenn das ganze Praxisteam auf demselben Kenntnisstand ist“, betont das Führungsteam der BZK Tübingen um den Vorsitzenden Dr. Markus Steybe in seiner Einladung zur Tagung nach Lindau. Das wissenschaftliche Kernthema „Abrasionsgebiss: Diagnostik, Therapie, Nachsorge“ wird interdisziplinär beleuchtet. Dabei werden konservierende sowie prothetische Fragestellungen mit funktioneller Diagnostik, Kieferorthopädie und Oralchirurgie verknüpft. Auch der bio-psycho-soziale Aspekt vwird thematisiert, um Patienten mit starkem Zahnhartsubstanzverlust künftig noch umfassender behandeln zu können. Die wissenschaftlichen Vorträge unter der Leitung von Prof. Dr. Ralph G. Luthardt richten in der Inselhalle den Fokus auf die zahnärztlichen Kernthemen. Parallel dazu findet die Tagung der zahnmedizinischen Mitarbeitenden unter der Leitung von Dr. Jochen Eble wie gewohnt im Stadttheater Lindau statt. Dort greifen dieselben Referenten die zentralen Inhalte auf und bereiten sie mit besonderem Blick auf die für ZFA relevanten Aspekte auf. So gelingt eine gemeinsame Schulung des gesamten Praxisteams auf fachlich hohem Niveau.

Zähne und Psyche
Dass sich moderne Zahnmedizin nicht mehr auf rein bio-medizinische Reparaturen beschränkt, zeigt Prof. Dr. Ulrich T. Egle, Freiburg, in seinem mit Spannung erwarteten Vortrag. Er beleuchtet Wechselwirkungen zwischen Bruxismus, progressivem Zahnverschleiß und psychologischen Faktoren. Abschied von alten Konzepten nimmt man auch bei der Diagnostik im Abrasionsgebiss, vor allem bei Erwachsenen, bei denen craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) mit einem breiten Spektrum an Symptomen und Beschwerdebildern auftreten. Im Bereich der Therapie räumen die geladenen Experten ebenfalls mit überholten Vorstellungen auf. Prof. Dr. Alfons Hugger, Düsseldorf, stellt klar, dass Okklusionsschienen in der CMD- und Abrasionstherapie zwar hochwirksam sind, die Auswahl sachgerechter Schienentypen aber auf aktuelle oralphysiologische, biomechanische und rehabilitative Daten basieren muss, die auch in den aktuellen Leitlinien festgehalten sind. Ergänzend dazu fordert Prof. Dr. Ingrid Peroz, Berlin, vor jeder Schienentherapie ein verpflichtendes CMD-Screening. Je nach Befund kommen Relaxierungs-, Reflex- oder Positionierungsschienen zum Einsatz.

Erfolgreiche Therapie
In weiteren Vorträgen wird betont, dass nur eine diagnosespezifische Schienentherapie, die bei Bedarf in ein multimodales Therapiekonzept eingebettet ist, zum Erfolg führt. Bereits in der Planungs- und Therapiephase werden dafür wichtige Grundlagen gelegt: Eine geeignete Materialauswahl sowie eine parodontalhygienische Gestaltung des Zahnersatzes tragen maßgeblich zur Langlebigkeit der Versorgung bei. Ebenso entscheidend ist die frühzeitige Aufklärung, Sensibilisierung und aktive Einbindung des Patienten in die Ursachenanalyse – beispielsweise im Hinblick auf das Putzverhalten oder parafunktionelle Aktivitäten. Ergänzt wird das Programm durch einen Blick in die digitale Welt: Vorgestellt werden der digitale Weg zur präprothetischen Schiene mittels modernster Intraoralscanner sowie Indikationen und Techniken für die chirurgische Kronenverlängerung. Zudem werden Chairside-Konzepte und minimalinvasive Ansätze im digitalen Workflow dargestellt und durch aktuelle wissenschaftliche Daten untermauert.

Für Praxismitarbeitende und Zahnmediziner gleichermaßen interessant ist der Blick über den Tellerrand mit Prof. Dr. Martin Korte, Braunschweig. Unter dem Titel „Was machen digitale Medien mit unseren Gehirnen?“ erläutert der Neurobiologe die Auswirkungen der Mediennutzung auf Konzentration, Aufmerksamkeit und Fokussierung im Arbeitsalltag. Ergänzend zur Fortbildung präsentiert die Dentalausstellung in der Inselhalle aktuelle Entwicklungen und passende Konzepte rund um das Veranstaltungsthema. Ein neuer Abendevent fördert unter dem Titel „Dental Connect“ das Networking und den kollegialen Austausch. Auf diese Weise wird die traditionsreiche Bodenseetagung ihrer Rolle als zukunftsweisende Plattform für praxisnahe und qualitätsorientierte Fortbildung wieder einmal gerecht.

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