Landesdelegiertenkonferenz der Grünen in Offenburg

Praxisbegehungen gehören in die Hand der Kammer

Flächendeckende Versorgung, überbordende Bürokratie, anlasslose Praxisbegehungen und Budgetierung: Beim Parteitag der Grünen machte die Zahnärzteschaft deutlich, wo sie politischen Handlungsbedarf sieht.

Wer eine Zahnarztpraxis braucht, soll sie auch in der Nähe finden. Doch eine flächendeckende Versorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie hängt auch davon ab, ob Praxen verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden und sich Zahnärztinnen und Zahnärzte für eine Niederlassung entscheiden. Gerade für junge Zahnärztinnen und Zahnärzte ist der Schritt in die Selbstständigkeit eine wichtige Entscheidung. Neben der Behandlung müssen sie umfangreiche Verwaltungs- und Dokumentationspflichten bewältigen. Der wachsende bürokratische Aufwand kann eine Niederlassung weniger attraktiv machen und damit langfristig auch die Versorgung in der Fläche erschweren.

Mit diesen Themen war die Zahnärzteschaft bei der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen im Oktober in Offenburg vertreten. Vor Ort waren Dr. Torsten Tomppert, Präsident der Landeszahnärztekammer (LZK) und Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Baden-Württemberg, sowie Dr. Jutta Vischer, Fachbeirätin des Informationszentrums Zahn- und Mundgesundheit (IZZ)und Vorstandsmitglied der Bezirkszahnärztekammer (BZK) Stuttgart. ZÄ Sylvie Huber, Vorstandsreferentin der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg für Öffentlichkeitsarbeit, und Cornelia Schwarz, Leiterin des IZZ , ergänzten die Delegation.

„Eine wohnortnahe zahnärztliche Versorgung entsteht nicht von allein. Dafür brauchen Praxen im ganzen Land verlässliche Rahmenbedingungen – auch außerhalb der Ballungsräume“, sagte Dr. Jutta Vischer im Gespräch mit Oliver Hildenbrand Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit MdL.

Ein weiteres Thema waren anlasslose Praxisbegehungen. Viele Praxen empfinden sie als unverhältnismäßige zusätzliche Kontrolle, wenn kein konkreter Anlass erkennbar ist. Sie binden Zeit und Ressourcen und können das Vertrauen in die Abläufe belasten. Die Zahnärzteschaft spricht sich deshalb dafür aus, solche Begehungen in die Hand der Zahnärztekammer zu legen. „Die Zahnärztekammer kennt die Abläufe und fachlichen Anforderungen in den Praxen. Anlasslose Begehungen sollten deshalb in ihrer Zuständigkeit liegen. So kann die fachliche Einschätzung des Berufsstands unmittelbar einfließen“, erklärte Dr. Torsten Tomppert.

Auch die Budgetierung kam zur Sprache. „Die Budgetierung schränkt die Handlungsspielräume der Praxen ein. Eine verlässliche Versorgung braucht Rahmenbedingungen, die den tatsächlichen Behandlungsbedarf berücksichtigen“, betonte ZÄ Sylvie Huber im Austausch mit der gesundheitspolitischen Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Anna Wiech MdL.

Die Gespräche in Offenburg waren offen und konstruktiv. Die Zahnärzteschaft hatte den Eindruck, dass ihre Standpunkte gehört und ernst genommen wurden. Nun kommt es darauf an, die angesprochenen Themen weiterzuverfolgen und in die politische Arbeit aufzunehmen.

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