50 Jahre Fortbildungstagung der südbadischen Zahnärzteschaft

Jubiläums-Kongress in Rust zum Thema „Schmerzfälle“

Während in Politik und Öffentlichkeit immer wieder Einsparvorschläge gemacht werden, die die zahnärztliche Versorgung betreffen, kümmert sich die Zahnärzteschaft um Themen, die für ihre Patientinnen und Patienten relevant sind. So auch bei der Fortbildungstagung vom 16. bis 18. April 2026, bei der „Schmerzfälle, Notfälle und Unfälle“ im Mittelpunkt stehen. Zum goldenen Jubiläum werden in Rust über 2000 Teilnehmende erwartet, die das Hauptprogramm, Spezialpodien, den Pre-Congress und die zeitgleich stattfindende Fortbildung für zahnmedizinische Fachangestellte besuchen. Es werden daher wieder „Tage voller Wissen, Austausch und Gemeinschaft“ sein.

Mit einem gewissen Stolz wird Dr. Norbert Struß, Vorsitzender der Bezirkszahnärztekammer Freiburg, die 50. Fortbildungstagung eröffnen, denn es gibt nicht viele Veranstaltungen dieser Art, die kontinuierlich auf 50 Jahre zurückblicken können. Eine Rückschau auf diesen traditionsreichen Kongress, dessen Anziehungskraft weit über Südbaden hinausreicht, wird das Hauptprogramm eröffnen. Es steht unter der Ägide von Prof. Dr. Elmar Hellwig, Freiburg, und ist überschrieben mit „Schmerzfälle, Notfälle und Unfälle – das Unvorhersehbare meistern“.

In der Zahnarztpraxis sind Notfälle und Unfälle häufige Herausforderungen, die eine schnelle und kompetente Reaktion erfordern. Um für die gründliche Anamnese, eine präzise Diagnostik und die geeignete Behandlung alle Mittel in der Hand zu haben, sind acht hochkarätige Referenten aus Deutschland und der Schweiz geladen. Den Anfang macht Prof. Dr. Hanns Ulrich Zeilhofer, Zürich. Der Pharmakologe erforscht zentrale Mechanismen der Schmerzverarbeitung und wird zum Thema „Chronische Schmerzen“ sprechen. Hinweise zu den unterschiedlichen Schmerzformen und zu geeigneten Analgetika runden den Vortrag ab. Darauf aufbauend beschäftigt sich Dr. Ralf Schlichting, Passau, mit Schmerzen endodontischen Ursprungs. Unter dem Rubrum „Was muss, was kann und was vielleicht nicht“ ruft er in Erinnerung, welche Therapieschritte, abhängig von der Diagnose, durchzuführen sind, welche zusätzlichen Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen und was auf einen späteren Termin verlegt werden kann. Dazu kommen Tipps für unkompliziert in den Praxisablauf zu integrierende Schmerztherapien.

Das Tagungsmotto „Das Unvorhersehbare meistern“ nimmt auch der Festvortrag des Physikers und Extrembergsteigers Alexander Huber, Marktschellenberg, auf. Unter der Überschrift „Am Limit – Analogie von Berg und Beruf“ macht er deutlich, dass Erfolge am Gipfel und in der Praxis keine Zufallsprodukte sind. Sie sollen und müssen das Ergebnis geschickter Planung sein, nur dann ist das volle Potenzial sicher abrufbar. Die nötige Motivation entspringt der Freude am Tun.

Komplikationen voraussehen
Prof. Dr. Dr. Eik Schiegnitz, Mainz und Wiesbaden, hat sich dem Komplikationsmanagement in der Implantologie verschrieben. Sein Vortrag gibt einen Überblick über typische intra- und postoperative Komplikationen sowie akute Notfälle. Präventive Strategien sollen dazu beitragen, Sicherheit und Vorhersagbarkeit implantologischer Behandlungen zu erhöhen. Etwas provokativ klingt der Titel zum Vortrag von Prof. Dr. Clemens Walter, Greifswald. Mit „Retten Parodontologen Leben?“ führt er in ein Thema ein, das angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung an Relevanz gewinnt. Auch für parodontalen Erkrankungen gilt, dass die beste Therapie die Prävention ist. Dennoch kann es bei multimorbiden Patienten zu herausfordernden Situationen kommen. Der Vortrag zeigt Fälle aus der Praxis und sensibilisiert für ungewöhnliche Krankheitsbilder.

Den jüngeren Patienten gilt das Augenmerk von PD Dr. Julian Schmoeckel, Greifswald. Er referiert über Kindeswohlgefährdung, die auch die frühkindliche Karies einbezieht, einen wichtigen Indikator für eine unzureichende Gesundheitsversorgung. Darüber hinaus gilt es, wachsam zu sein und gezielt zu dokumentieren, wenn bei Verletzungen im Kopf- und Mundbereich Diskrepanzen zwischen Befund und Anamnese auffallen.

Prof. Dr. Dr. Ralf Smeets, Hamburg, wendet sich in seinem Vortrag den Risikopatienten zu, die nach Strahlen-, Chemo- und Bisphosphonattherapie einer Behandlung bedürfen. Außerdem weist er auf die spezifischen Erfordernisse von Immunsupprimierten und von Patienten mit psychischen und neurologischen Erkrankungen hin. Dazu kommen Hinweise, welche Vorsichtsmaßnahmen die Behandelnden zu beachten haben und was das Personal beim perioperativen Management verbessern kann.

Zwei Schweizer Experten runden das Hauptprogramm ab: Prof. Dr. Dr. h. c. Thomas Attin, Zürich, referiert zu Schmerzen nach Füllungstherapie, wenn restaurierte Zähne auf thermische Reize oder auf Kaukräfte mit Schmerzen reagieren. Er zeigt mögliche Behandlungsoptionen und präventive Maßnahmen auf, die die Schmerzempfindlichkeiten in der adhäsiven Zahnheilkunde reduzieren können. Prof. Dr. Roland Weiger, Basel, beleuchtet abschließend die häufigsten in der Praxis vorkommenden Notfälle wie Pulpitis, apikaler Parodontitis sowie Zahnhartsubstanz- und Dislokationsverletzungen.

Hochkarätige Ergänzungen
Die Foren Kieferorthopädie und Oralchirurgie unter der Leitung von Dr. Georg Bach, Freiburg, warten auch im Jubiläumsjahr wieder mit renommierten Referenten auf. Das gilt auch für ein spezielles Podium für Zahntechniker. Ein Pre-Congress mit 11 praxisrelevanten Themen und mit Seminaren für Studierende und niederlassungswillige junge Zahnmediziner*innen sowie Aktualisierungskurse in Notfallmedizin und Strahlenkunde sind der wissenschaftlichen Tagung vorgeschaltet. Abgestimmt auf das Generalthema sind auch die Vorträge der 36. Fortbildung für zahnmedizinische Fachangestellte. Durch regelmäßige Schulungen, klare Notfallpläne und eine offene Kommunikation im Team werden Patientensicherheit und Qualität der zahnärztlichen Versorgung gewährleistet. Der Besuch der Dentalausstellung, an der rund 70 Firmen teilnehmen, sorgt ebenfalls dafür, dass man wertvolle Anregungen für die Praxis mitnehmen kann. Damit auch der kollegiale Austausch nicht zu kurz kommt, bietet die BZK Freiburg ein zwangloses Get-together, den traditionellen Gesellschaftsabend und viele Möglichkeiten zu Diskussion und Begegnung.

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