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Wissenschaftliche Fortbildungstagung zum Thema „Zahnmedizin minimalinvasiv“


Unter der Leitung von Professor Dr. Bernd Haller, Ärztlicher Direktor der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Ulm, findet am 16. und 17. September in Lindau die 57. Fortbildungstagung der Bezirkszahnärztekammer Tübingen statt. Im Mittelpunkt der zehn hochkarätigen Vorträge steht minimalinvasives Vorgehen in der Zahnheilkunde. Was in der Chirurgie schon seit längerem etabliert ist, kommt zunehmend auch in der Zahnarztpraxis zur Anwendung: Therapien, die eine maximale Schonung von Zahnhartsubstanz und umgebendem Gewebe anstreben, ohne dabei die Behandlungserfolge aus dem Auge zu verlieren.

Lebensstil-Medizin in der Zahnheilkunde
Dass Risikofaktoren wie Rauchen, Ernährung und Stress einen deutlichen Einfluss auf die Mundgesundheit haben, ist schon länger bekannt. Vor allem Parodontalerkrankungen wie Gingivitis und Parodontitis sind auf Faktoren zurückzuführen, die das Leben in den heutigen Industrienationen bestimmen. Kein Wunder, dass hierzulande rund die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung an moderater bis schwerer Parodontitis leidet. Prof. Dr. Johan Wölber, Freiburg, Zahnarzt und Ernährungswissenschaftler, macht mangelndes Ernährungsbewusstsein für Parodontalerkrankungen verantwortlich und zeigt in seinem Referat „Präventive Parodontologie und Lebensstilmedizin“ auf, welchen Einfluss Makro- und Mikronährstoffe auf die orale und die allgemeine Gesundheit haben. Diese Erkenntnisse können sehr gut genutzt werden, um in der zahnärztlichen Praxis und auf Bevölkerungsebene kausale Prävention anzubieten, die neben Mundhygiene auch Ernährungsberatung, Raucherentwöhnung und eine Förderung von gesunden Lebensstilen beinhaltet.

Adhäsivtechniken
Doch auch bei stark geschädigten Zähnen, die zahnärztlichen Eingriffen wie einer Wurzelbehandlung bedürfen, gibt es inzwischen minimalinvasive Vorgehensweisen. Neben Nickel-Titan-Instrumenten, die auf maximalen Zahnhartsubstanzschonung hin entwickelt wurden, kommen auch Hightech-Mikroskope zum Einsatz, die eine starke Vergrößerung des Arbeitsfeldes erlauben und das Sichtfeld optimal ausleuchten. Dennoch geht es weiterhin darum, entzündetes oder abgestorbenes Gewebe zu entfernen, die Wurzelkanäle zu reinigen und sie anschließend mit einem bakteriendichten Material abzufüllen. Um wurzelbehandelte Zähne möglichst lang erhalten zu können, ist es wichtig, den Zahn anschließend adäquat zu restaurieren. In den letzten Jahren gab es im Bereich der Adhäsive und der Restaurationsmaterialien zahlreiche Neuentwicklungen, die eine substanzschonende Zahnbehandlung ermöglichen. Das Prinzip besteht darin, dass ein dünnflüssiger Kunststoff einen Verbund zwischen der Zahnhartsubstanz und dem entsprechenden Füllungs- oder Restaurationsmaterial eingeht. Der Vortrag von Priv.-Doz. Dr. Kerstin Bitter, Berlin, befasst sich daher mit verschiedenen Restaurationsoptionen, darunter auch die Anwendung der Adhäsivtechnik.

Adhäsivtechniken kommen auch beim Schließen von Einzelzahnlücken im Front- und Seitenzahnbereich zum Einsatz. Mit einer neuen minimalinvasiven Restaurationsmethode in Form von direkten metall-, keramik- und glasfaserfreie Zahnanhänger aus Kompositkunststoff kann man Patient*innen schonend und kostengünstig versorgen. Der Vorteil dieser Methode ist die Verbesserung der Gebissverhältnisse hinsichtlich des Aussehens, der Hygienefähigkeit und der Funktion bei überschaubarem Aufwand. In seinem Vortrag „Lücken schließen – minimalinvasiv mit konservierend-restaurativen Methoden“ schildert Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle, Heidelberg, die Vorteile für die Alterszahnheilkunde und für Patient*innen mit schweren Grunderkrankungen, bei denen invasive Versorgungen wie Implantate nicht in Frage kommen. Angesichts der steigenden Anzahl von älteren, multimorbiden und dementsprechend eingeschränkter Menschen gewinnen einfache und möglichst belastungsarme Lösungen zunehmend an Bedeutung. (IZZ/DK)

 

 

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