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Unangenehme Ohrgeräusche kennt fast  Jede*r – nach einem Konzert oder einem Besuch im Club rauschen die Geräusche noch in unseren Ohren nach, doch spätestens am nächsten Morgen sollten die Töne verklungen sein und nur noch schöne Erinnerungen in uns nachklingen. Anders ergeht es Betroffenen von Tinnitus (lateinische Begriff für „Klingeln“). Sie werden über längere Zeiträume von unangenehmen Ohrgeräusche wie Pfeifen, Summen, Brummen, Rauschen, Klicken oder Klopfen geplagt und auf schöne Erinnerungen sind diese leider meistens nicht zurückzuführen. 

Aktuell geht die Wissenschaft davon aus, dass etwa jeder fünfte Mensch von Tinnitus, einem Klingeln oder Rauschen in den Ohren, betroffen ist. Aber Tinnitus ist wissenschaftlich betrachtet kein Zustand an sich, sondern vor allem ein Hinweis auf den Gesundheits – besser gesagt Krankheitszustand anderer Körperregionen. Zwar ist das „Klingen der Ohren“ sehr häufig die Folge von Lärm, der die Sinneszellen der Hörschnecke im Innenohr beschädigt hat, doch insgesamt erfordert das Krankheitsbild eine facharztübergreifende Herangehensweise. 

Eventuell hilft auch ein Besuch in der Zahnarztpraxis weiter, denn neben sehr vielen anderen Ursachen können  Kaufunktionsstörungen, sogenannte craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD), ein Faktor bei der Entstehung von Tinnitus sein. „Im Zweifelsfall sollte bei einem Zahnarztbesuch die Kieferstellung und das optimale Aufeinandertreffen der Zähne überprüft werden“, rät Dr. Michael Leckel, Oberarzt  an der Poliklinik für 

Zahnärztliche Prothetik der Universität Heidelberg. „Das Kausystem stellt, aufgrund seiner vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten und der fortwährenden Nutzung unser ganzes Leben hindurch, ein hoch komplexes System dar. Dass dieses Zusammenspiel von Skelett, Muskulatur und der Ansteuerung über Gehirn und Nerven nicht immer optimal und störungsfrei funktioniert, ist möglich,“ so Dr. Leckel weiter. Daher lohnt sich ein mehrfacher Blick auf die funktionelle Vernetzung  innerhalb des gesamten Kopf-und Halsbereichs. 

Nicht von ungefähr gehören die Muskeln unserer Kiefergelenke zu den stärksten im Körper. Durch die feinen Verbindungen zwischen Ohren, Nase und Rachen ist es deshalb ratsam, erstellte Diagnosen in einem dieser Bereiche, durch Untersuchungen anderer Fachärzte*innen zu überpüfen und bestätigen zu lassen. Leidet man unter einem Tinnitus, sollte man sich beim Zahnarztbesuch vergewissern und checken lassen, ob das Kiefergelenk auch wirklich richtig funktioniert.

Eine aktuell neu erarbeitete Leitlinie zum Thema „Chronischer Tinnitus“ hilft dabei, die eigene Situation besser zu verstehen und Abhilfe zu schaffen. Die Patientenleitlinie ist auch für Laien gut verständlich. (IZZ/cos)

 

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