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Parlamentarisches Frühstück anlässlich des Tags der Zahngesundheit

Im vergangenen Jahr wurde das Format des Parlamentarischen Frühstücks anlässlich des Tags der Zahngesundheit aus der Not heraus entwickelt, da coronabedingt auf eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung zum landesweiten Aktionstag verzichtet werden musste. Da man den Dialog mit der Politik jedoch trotzdem führen wollte, lud das IZZ im Namen von Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KZV BW) und der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg (LZK BW) die gesundheitspolitischen Sprecher*innen der Landtagsfraktionen zum Frühstück ein. In diesem Jahr konnte der Einladungskreis erfreulicherweise etwas erweitert werden, und daher freuten sich die Verantwortlichen über weitere Zusagen von Vertreter*innen des Landkreistags Baden-Württemberg und verschiedener Krankenkassen.

„Jetzt nach Corona schauen wir mit großer Sorge auf die nächsten Studienergebnisse, denn viele Kinder, die daheim nicht täglich zur Zahnpflege angeleitet werden, wurden ohne die Gruppenprophylaxe nicht mehr erreicht“, äußerte Dr. Torsten Tomppert seine Bedenken. Als Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg (LZK BW) und als Vorsitzender des Vorstands der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Baden-Württemberg e. V. (LAGZ) war es Tomppert wichtig, dass der Tag der Zahngesundheit neben dem bundesweiten Thema „Parodontitis“, in Baden-Württemberg mit der „Gruppenprophylaxe unter Coronabedingungen“ einen weiteren Schwerpunkt erhält.

Zwar kann die Gruppenprophylaxe schrittweise unter Beachtung spezieller Hygienekonzepte wieder durchgeführt werden. „Aber wir dürfen uns nichts vormachen: der durch die fehlenden Präventionsmaßnahmen entstandene Schaden wird zukünftig sichtbar werden“, ist sich Tomppert sicher und richtete einen wichtigen Appell an die anwesenden Landtagspolitiker*innen: „Eine regelmäßige und damit wirkungsvollere Kariesprophylaxe könnte erfolgen, in dem das tägliche Zähneputzen mit fluoridierter Zahnpasta in Kindergärten, Kitas und Grundschule verbindlich im Kinderschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg verankert werden würde.

Mit ihrem Vortrag lieferte PD Dr. Yvonne Wagner, Direktorin des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart (ZFZ) gleich zu Beginn verbalen Zündstoff: Mit den Fragen „Was für ein Auto fahren Sie?“ und „Wieviel Zeit und Geld investieren Sie in Ihr Fahrzeug?“ stellte sie auf eindrucksvolle Weise die Leidenschaft der Automobilisten der Zahngesundheit gegenüber. Ist das Auto für die einen ein geliebtes Statussymbol, das gehegt und gepflegt wird, nutzen es die anderen lediglich dafür, um von A nach B zu kommen und ignorieren Brezelreste und Bonbonpapiere auf der Rückbank. Ähnlich verhalte es sich mit der Zahngesundheit: Bedeutet es für die einen, ein strahlendes Lächeln, begnügen sich die anderen damit, Nahrung aufzunehmen. Äußerst eloquent führte Wagner diesen Vergleich fort und sorgte damit nicht nur für Schmunzeln im Publikum, sondern auch für zustimmendes Nicken.
Aussagekräftig zog Dr. Wagner verschiedene Vergleiche hinsichtlich untersuchter Putzzeit bei Kleinkindern und dem bundesweiten Verbrauch von Zahnbürsten und Zahnseide. Dabei stellte sie die Frage, von wem unsere Kinder eine umfassende Zahn- und Mundhygiene lernen und kritisierte in diesem Zusammenhang das Ausbleiben der Gruppenprophylaxe und die zahlreichen verschobenen Präventionstermine aufgrund der Coronapandemie.

Einen Ansatz, den Dr. Ute Maier aufgriff und fortführte. Dabei verwies die Vorsitzende des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV BW) zunächst auf Untersuchungen, die den Krankheitsverlauf von Coronapatienten*innen mit deren Mundgesundheit in Zusammenhang brachten und eine deutliche Beziehung zwischen Allgemein- und Zahngesundheit herstellten. „Eine gute Mundhygiene stabilisiert das Immunsystem, nicht nur mit Blick auf schwere COVID-19-Verläufe“.
Die Implementierung der neuen PAR-Richtlinie ist für Dr. Maier deshalb auch ein weiterer wesentlicher Schritt in Richtung systematische Behandlung von Parodontitis. „Damit wird es Versicherten im GKV-Bereich erstmalig ermöglicht, eine konsequente Nachsorge in Anspruch zu nehmen und den Behandlungserfolg zu sichern“. Die unterstützende Parodontitistherapie (UPT) hat damit hinsichtlich der neuen Behandlungsstrecke einen immensen Stellenwert und wird, da ist sich Dr. Maier sicher, auf lange Sicht auch monetär für die Kassen auszahlen.

Unter den Gästen waren die gesundheitspolitischen Sprecher*innen beziehungsweise deren Vertreter*innen aus allen im Landtag vertretenen Parteien. Für Bündnis 90/Die Grünen war Norbert Knopf MdL anwesend, die CDU vertrat Dr. Michael Preusch MdL, Florian Wahl MdL repräsentierte die Sozialdemokraten, Jochen Haußmann MdL die FDP und Carola Wolle MdL und Bernhard Eisenhut MdL von der AfD vervollständigten die Riege der Landtagsabgeordneten.
Ebenfalls unter den Frühstücksgästen waren Dr. Tim Gerhäusser vom Landkreistag Baden-Württemberg, Jürgen Graf (AOK BW), Inga Junge vom Verband der Ersatzkassen e. v. (vdek) und Carolin Scheib, kommissarische Geschäftsführerin der LAGZ.
Die KZV BW vertraten Dr. Hans Hugo Wilms, Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Dr. Simon-Denoix, Leiter der Stabstelle Kommunikation und Politik. Die LZK BW wurde durch den stellvertretenden Präsidenten Dr. Bert Bauder, den Vorsitzenden des Prophylaxeausschusses Dr. Bernd Krämer, Direktor Axel Maag und Andrea Mader, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit repräsentiert.