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Aktuell sind unsere Zähne zwar häufiger unter diversen Masken abgeschottet, vor Zahnbürste und Zahnpasta sollten sie sich jedoch genauso wenig verstecken, wie vor dem Kontrollbesuch in der Zahnarztpraxis. Vor allem die kritischen bakteriellen Beläge müssen regelmäßig und vor allem gründlich entfernt werden, damit sich keine Keime dauerhaft im Mundraum ausbreiten und damit Entzündungen (Parodontitis) vermieden werden können.

In den vergangenen Monaten wurden Parodontitis-Behandlungen und dementsprechend auch vorbeugende Maßnahmen wie die Professionelle Zahnreinigung (PZR) weit weniger häufig wahrgenommen, als dies für die Zahn- und Mundgesundheit der Bevölkerung gut gewesen wäre. Meist geschah dies aus Angst, man könne sich beim Zahnarztbesuch mit dem Coronavirus infizieren.

Der Hygienestandard in den deutschen Zahnarztpraxen ist von jeher überdurchschnittlich. Die zusätzlichen Maßnahmen, die im Rahmen der Pandemie etabliert wurden, haben dazu geführt, dass wir zum Beispiel für die Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe berichten können, dass es im Zeitraum der über ein Jahr andauernden Pandemie zu keiner Übertragung des Coronavirus SARSCoV-2 innerhalb unserer Klinik gekommen ist“, so Privatdozent (PD) Dr. Daniel Hellmann, Leiter der Einrichtung.

Entzündungen im Mundraum entstehen häufig durch lange verbleibende Nahrungsreste, die den Nährboden für bakterielle Plaque darstellen. Bleibt eine Parodontitis längere Zeit unbehandelt, kann sich dadurch das Zahnfleisch zurückbilden und die Zahnhälse liegen frei. Sogenannte Zahnfleischtaschen entstehen, in denen sich Bakterien weiter vermehren und in den menschlichen Organismus eindringen können. Laut Ergebnisse der fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) leidet mittlerweile jede*r zweite Deutsche an Parodontitis, viele, ohne überhaupt davon zu wissen. Natürlich reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf eine solche Erkrankung und auch die körpereigene Immunabwehr schützt. Doch kranke Zähne oder entzündetes Zahnfleisch sind nicht nur ein kurzfristiges Problem, sondern können den gesamten Körper nachhaltig negativ beeinflussen.

Bei der Parodontitis kann man die chronischen, blutenden Wunden nicht sehen, da diese in den Zahnfleischtaschen verborgen liegen. „Ist zum Beispiel das ganze Gebiss betroffen, ergeben sich in der Summe schnell handtellergroße Wundflächen. Wären diese an der sichtbaren Körperoberfläche gelegen, würden die Patient*innen nach kürzester Zeit den Arzt aufsuchen“, weiß Dr. Hellmann aus Erfahrung.

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen sogar einen Zusammenhang zwischen dem Vorliegen
einer Parodontitis und einem schweren COVID-19-Verlauf. „Demnach haben COVID-19-Patienten mit Parodontitis ein höheres Risiko für die Aufnahme auf Intensivstationen, die Notwendigkeit einer unterstützenden Beatmung und sogar für einen tödlichen Ausgang der Erkrankung, als parodontal gesunde COVID-19-Patienten“, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e. V. und beruft sich auf eine aktuelle, in Katar durchgeführte Studie.

 

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